Dieses Interview erschien auf dem Blog https://blog.staab-pr.de/ und wurde mit dessen Erlaubnis hier veröffentlicht.
Liebe Leserinnen, liebe Leser.
Nach zehn Jahren beim TV Großwallstadt ist Mario Stark zurückgekehrt zu seinen Wurzeln. Dort, wo für den heute 34-Jährigen einst alles begann, trägt er nun wieder das Trikot des TV Kirchzell. Dazwischen liegen viele Jahre Leistungshandball, Aufstiege und Abstiege, Verletzungen, besondere Spiele, prägende Trainer und vor allem eine Menge Erfahrungen.
Mario Stark hat beim TV Großwallstadt nicht nur sportlich viel erlebt. Er ist dort erwachsen geworden, hat Verantwortung übernommen, Freundschaften fürs Leben geschlossen und sich über viele Jahre zu einem Führungsspieler entwickelt. Nun beginnt für ihn ein neues Kapitel – und gleichzeitig schließt sich ein Kreis.
Im Gespräch blickt Mario zurück auf seine Anfänge in Kirchzell, seine Jahre beim TVG, besondere Weggefährten wie Dino Corak, emotionale Spiele, schwierige Verletzungsphasen und seinen Abschied aus Großwallstadt. Er erzählt, warum zwei Trainer ihn besonders geprägt haben, weshalb er seiner Region immer treu bleiben wollte und warum die Rückkehr nach Kirchzell für ihn weit mehr bedeutet als nur ein Vereinswechsel.
Ein Gespräch über einen langen Handballweg, Verantwortung, Freundschaft, Emotionen – und darüber, warum es manchmal genau richtig ist, dorthin zurückzukehren, wo alles begonnen hat.
Mario, nach vielen Jahren beim TV Großwallstadt sitzt Du nun wieder in der Kabine des Drittligisten TV Kirchzell. Erinnerst Du Dich noch an den Moment, als Du zum ersten Mal wieder dort gesessen hast? Was ist Dir durch den Kopf gegangen?
„Ich habe mich auf das erste Training gefreut. Ansonsten war es gar nicht so besonders, weil ich die Jungs ja alle kenne. Ich musste niemanden neu kennenlernen oder erst Anschluss finden. Das hat den Wiedereinstieg natürlich sehr angenehm gemacht.“
Du bist gebürtiger Kirchzeller und hast hier Deine ersten Schritte im Handball gemacht. Fühlt sich die Rückkehr nach zehn Jahren wie ein Nachhausekommen an?
„Ja, auf jeden Fall. Es ist schon etwas Besonderes. Ich hatte immer den Gedanken, dass ich meine Karriere gerne irgendwann in Kirchzell beenden will. So war auch immer der Austausch mit Gottfried Kunz (sportlicher Leiter beim TVK, Anm. d. Red.). Er hat früher schon zu mir gesagt: ‚Wenn deine Zeit beim TVG irgendwann zu Ende geht, dann melde dich und wir sprechen miteinander.‘ Das heißt aber nicht, dass er mich jedes Jahr angerufen hat.“ (lacht). „Letztlich ist es genau so gekommen, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Das war eigentlich meine Wunschvorstellung.“
Du warst noch sehr jung, als Du den Schritt zum Handball-Leistungszentrum und später zum TV Großwallstadt gegangen bist. Wann hast Du gemerkt, dass das der richtige Weg für Dich ist?
„Ich bin im zweiten Jahr der C-Jugend zunächst zur JSG Wallstadt gewechselt. Kurz darauf wurde das HBLZ Großwallstadt gegründet und dadurch bin ich zum TV Großwallstadt gekommen. Zur JSG kam ich damals über die Bezirksauswahl – durch die Trainer Dirk Eisenträger und Bernd Beetz sowie meinen Kumpel Florian Eisenträger, mit dem ich immer zusammengespielt habe. Die Zeit bei der JSG war für uns so etwas wie ein Übergangsjahr, bevor das HBLZ gegründet wurde.
Schon damals habe ich gemerkt, dass es der richtige Schritt war. Die Trainingsintensität und der Umfang waren deutlich höher als in den meisten anderen Vereinen der C- und B-Jugend. Rückblickend war es genau die richtige Entscheidung.“
Du warst später mit Doppelspielrecht für den TV Kirchzell und den TV Großwallstadt unterwegs. War das eher Belastung oder die ideale Lösung?
„Ganz am Anfang hatte ich noch kein Doppelspielrecht, weil das in den jüngeren Jahrgängen damals noch nicht möglich war. Erst im ersten Jahr der A-Jugend habe ich nach der Hinrunde komplett für Kirchzell gespielt und hatte dann das Doppelspielrecht. Im zweiten A-Jugend-Jahr war ich ausschließlich für Kirchzell im Einsatz, weil wir mit der A-Jugend des HBLZ bereits mit einer Sondergenehmigung in der Herren-Bayernliga gespielt haben. Damals war ich 17 Jahre alt.“
Wenn Du heute auf Deine Zeit beim TV Großwallstadt zurückblickst: Was hat Dich als Spieler und als Mensch am meisten geprägt?
„Puh, das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil es viele Dinge gibt. Wahrscheinlich hat mich am meisten geprägt, dass ich immer Verantwortung übernommen habe. Das habe ich immer gerne gemacht, das war für mich keine Belastung – gerade in entscheidenden Situationen, wenn es brenzlig wurde.“
Und als Mensch?
„Auch da ist das Thema Verantwortung ganz wichtig. Im Sport lernst du, Verantwortung zu übernehmen – und das hilft dir später auch im Beruf und im Privatleben. Ich habe versucht, Verantwortung zu tragen, egal ob etwas gut oder schlecht ausgegangen ist. Das hat mich sicher geprägt. Auch wenn mal ein Ball daneben ging (lacht). Wenn ich an meinen Abschied vom TVG denke und daran, wie die Fans und die Menschen im Verein darauf reagiert haben, dann haben sie mir auch einen ‚daneben gegangenen Ball‘ anscheinend nicht krumm genommen.“
Du hast in Deiner Zeit beim TVG viele Trainer erlebt. Hat jeder Spuren hinterlassen oder gab es jemanden, der Dich besonders geprägt hat?
„Mit großem Abstand waren Ralf Bader und Igor Vori die beiden Trainer, von denen ich am meisten mitgenommen habe. Das ist Fakt, wobei das ganz unterschiedliche Typen waren. Ralf war extrem taktisch, sehr strukturiert und perfektionistisch. Seine Vor- und Nachbereitung war herausragend.
Igor dagegen hatte eine unglaublich emotionale Art. Er hat uns sehr viel Vertrauen geschenkt und uns immer starkgeredet. Egal, wie schlecht wir gespielt haben. Das war eine seiner größten Stärken. Außerdem hat er versucht, alles, was außerhalb der Mannschaft passiert ist, von uns fernzuhalten. Dadurch konnten wir uns voll auf das konzentrieren, was auf dem Feld wichtig war.“
Igor Vori wirkte oft wie ein emotionales Bündel, bei dem man nie wusste, wann er explodiert. Ralf Bader dagegen erschien immer sehr strukturiert. Hast Du das auch so erlebt?
„Absolut. Das waren wirklich zwei komplett unterschiedliche Trainertypen. Bei Ralf war alles bis ins Detail geplant. Wenn Igor etwas nicht gepasst hat, hat er seinen Plan auch spontan über den Haufen geworfen und etwas anderes mit uns trainiert. Ich erinnere mich an eine Trainingseinheit, bei der die Halle kurz zuvor gewischt worden war und der Boden noch nass war. Igor hat sich das angeschaut und sofort gesagt: ‚Hier trainieren wir heute nicht. Die Verletzungsgefahr ist zu groß. Training beendet – ihr könnt nach Hause gehen.‘
Ralf hingegen hätte eine nasse Halle wahrscheinlich ebenfalls wahnsinnig gemacht. Zum einen wegen der Verletzungsgefahr, zum anderen, weil dadurch sein kompletter Trainingsplan durcheinander geraten wäre. Igor war in solchen Situationen deutlich entspannter.“
Igor Vori hatte mit Dino Corak, Deinem langjährigen Mannschaftskameraden und einer Deiner besten Freunde, so etwas wie seinen verlängerten Arm auf dem Feld. Beide sind Landsleute – hat das vieles einfacher gemacht?
„Ja, wobei Igor wirklich sehr gut Deutsch gesprochen hat. Er hat keinen Dolmetscher gebraucht. Wenn er allerdings emotional wurde, ist er automatisch ins Kroatische gewechselt. Dann musste Dino übersetzen.
“Kroaten sind emotional und direkt!”
Ich erinnere mich, dass Dino dann manchmal gesagt hat: ‚Nein, das übersetze ich nicht.‘'(lacht) Und Igor hat nur geantwortet: ‚Doch, das übersetzt du und zwar jedes Wort!‘ In solchen Situationen kam dann meistens irgendeine Beleidigung. Aber das war nie persönlich gemeint. So sind die Kroaten eben – sehr emotional und manchmal etwas direkter in ihrer Ausdrucksweise.
Ich will auch gar nicht sagen, dass bei Igor alles perfekt war. Aber er hatte in seiner eigenen Karriere wahrscheinlich einige der besten Trainer der Welt. Das hat er mit in seinen Trainerjob genommen und das hast du gemerkt. Von ihm habe ich unglaublich viel mitgenommen. Es war eine tolle Erfahrung und ich bin dankbar, unter ihm trainiert zu haben.“
Apropos Trainer, weißt Du eigentlich noch, wie viele Trainer Du in Deiner Zeit beim TV Großwallstadt erlebt hast?
„Uff, das waren eine ganze Menge. Nein, so aus dem Stegreif kann ich sie nicht alle aufzählen, aber ich würde sie sicher zusammenbringen. Wobei ich sagen muss, dass auch ein oder zwei dabei waren, von denen ich – ehrlich gesagt – nicht besonders viel mitgenommen habe.“
Gab es einen Mitspieler, mit dem Du Dich auf dem Feld nahezu blind verstanden hast?
„Ja – ganz klar: Dino Corak. Wir waren wirklich Deckel auf Topf. Er hat schon gespürt, was ich machen würde, bevor ich überhaupt den Ball an ihn weitergegeben habe. Das war einfach toll. Mit ihm hat das Zusammenspiel perfekt funktioniert – und das nicht nur auf dem Feld, sondern auch privat.“
Wie lange habt Ihr zusammengespielt?
„Sechs oder sieben Jahre müssten es gewesen sein. Ganz am Anfang haben wir sogar gemeinsam in Kirchzell gespielt. Damals konnte Dino weder richtig fangen noch werfen (lacht). Ich weiß noch, dass Dino damals ein Probetraining beim TVK hatte, er kam von einem anderen Verein, und Gottfried Kunz hat mich nach dem Training gefragt, was ich von ihm halte. Ich habe damals gesagt: ‚Naja, er ist groß und stark. Wir können es ja mal mit ihm probieren.‘ (lacht). Anfangs kam er vor allem über die Abwehr. Mit der Zeit wurde er auch im Angriff immer besser. Was am Ende daraus geworden ist, hat jeder gesehen: einer der besten Kreisläufer der zweiten Bundesliga. Sein Wechsel zum HSVH Hamburg war völlig verdient. Dino war mit Abstand die beste Verbindung, die ich jemals auf dem Handballfeld hatte.“
Hat es Dir wehgetan, als Dino den TVG verlassen hat?
„Ja, sehr sogar. Ich habe ihm den Schritt nach Hamburg von Herzen gegönnt. Trotzdem war es für mich persönlich schwer. Ich weiß noch genau, dass er mir nach dem Spiel gegen Dessau, kurz vor Weihnachten war das, von seinem Wechsel erzählt hat. Ich war im ersten Moment richtig geschockt. Natürlich habe ich mich danach schnell für ihn gefreut, aber sportlich war es für mich eine riesige Umstellung. Nach so vielen Jahren blindem Verständnis plötzlich mit anderen Kreisläufern zu spielen, die andere Stärken hatten, war nicht einfach. Schade finde ich heute vor allem, dass Dino seine Karriere inzwischen beendet hat. Aber ich verstehe es. Er ist in den elterlichen Betrieb eingestiegen, da bleibt einfach nicht mehr viel Zeit für den Handball.“
Gibt es ein Spiel, an das Du heute noch besonders oft denkst oder bei dem Du einen richtigen Gänsehaut-Moment hattest?
„Davon gibt es auf jeden Fall einige. Sehr präsent ist mir das Spiel gegen Hamm in der vorletzten Saison. Maxim Schalles, unser Außen, hat am vorletzten Spieltag den entscheidenden Siebenmeter verwandelt und uns damit den Klassenerhalt gesichert. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Das waren pure Emotionen. Eine ähnliche Situation gab es einige Jahre zuvor zu Hause gegen Bietigheim. Auch dieses Spiel war unglaublich emotional und etwas ganz Besonderes.“
Du hast Abstiege erlebt, aber auch Wiederaufstiege gefeiert. Welche Phase war emotional schwieriger?
„Wir hatten zwei Aufstiege, wobei einer durch die Corona-Situation zustande kam. Der war natürlich etwas anders und vielleicht auch ein bisschen weniger emotional (grinst). Der erste sportlich geschaffte Aufstieg von der dritten in die zweite Liga dagegen war etwas ganz Besonderes. Das war nicht nur ein einzelnes Spiel, sondern das Ergebnis einer ganzen Saison. Die Konstellation mit Manfred ‚Hobbes‘ Hofmann als Trainer (TVG-Torhüter-Legende und Urgestein beim TVG, Anm. d. Red.) war eine richtig schöne Zeit. Damals hatte sich schon sehr schnell herauskristallisiert, dass wir aufsteigen werden. Wir mussten nicht zittern oder rechnen. Es war eine tolle Saison. Dass wir danach direkt wieder abgestiegen sind, war zwar bitter, aber rückblickend war der Verein damals wohl noch nicht bereit für die zweite Liga. Als wir dann direkt wieder aufgestiegen sind, war klar, dass wir diesmal bleiben wollten – und das haben wir ja auch geschafft.“
Was ist emotional schwieriger: ein Aufstieg oder ein Abstieg?
„Für mich waren die Nichtabstiege im Moment selbst deutlich emotionaler. Bei einem Aufstieg zeichnet sich vieles schon über die ganze Saison ab. Bei einem Abstiegskampf entscheidet dagegen oft ein einziges Spiel – und das noch meistens gegen Ende der Runde. Das war so gegen Hamm. Von diesem Spiel hing alles ab. Wenn wir verloren hätten, wären wir wahrscheinlich abgestiegen. Dieser Druck war enorm. Nach dem Spiel ist einfach alles von uns abgefallen und wir waren nur noch glücklich.“
Aber wenn dann noch zwei, drei Spiele zu absolvieren sind: Wie motiviert man sich dann?
„Das ist unglaublich schwer, den Schalter noch einmal umzulegen und hundert Prozent zu geben. Du bist einfach erleichtert, dass du es geschafft hast, willst zwar in den letzten Matches auch noch einmal alles geben, aber meistens kann man das gar nicht mehr schaffen. Nicht nur der Körper, auch der Kopf ist da gar nicht mehr in der Lage, sich zu hundert Prozent zu pushen.“
Der Klassenerhalt des TV Großwallstadt in Deiner Abschiedssaison war hart erarbeitet. Was hat dieser Moment für Dich bedeutet?
„Im ersten Moment konnte ich mich, ehrlich gesagt, gar nicht richtig darüber freuen. Wir hatten kurz zuvor in Potsdam eine unnötige Niederlage kassiert, über die ich mich sehr geärgert hatte. Deshalb war die Freude zunächst etwas getrübt. Hätten wir in Potsdam gewonnen, dann wäre der Drops gelutscht gewesen. Aber so mussten wir weiter zittern.
“Ich wollte mich nicht mit einem Abstieg verabschieden”
Doch es war mir extrem wichtig, mich nicht mit einem Abstieg aus der zweiten Liga zu verabschieden. Als ich dann mit etwas Abstand zurückgeblickt habe, war ich natürlich trotzdem sehr glücklich über den Klassenerhalt. Vor allem, wenn man bedenkt, was in dieser Saison bei uns alles passiert ist – so viele Verletzungen, zwei Spielerbeurlaubungen und so weiter. Es waren viele Schwierigkeiten, die die Mannschaft unglaublich gut weggesteckt hat. Im Training hat man diese Belastungen mitunter gespürt, aber im Spiel hat jeder immer alles gegeben.“
Was hast Du in den schwierigen Phasen, zum Beispiel während Deiner langen Verletzung, über Dich selbst gelernt?
„Was ich gelernt habe, ist, dass man Verletzungen richtig auskurieren muss. Man darf nicht wegen des Sports seine Gesundheit aufs Spiel setzen, um vielleicht bis ans Lebensende darunter zu leiden. Die schwierigste Phase meiner Verletzung war die Ungewissheit. Kein Arzt konnte genau sagen, wie lange es dauern würde, bis ich wieder fit bin. Der eine sagte, es könnten vier Wochen sein, der andere sprach von acht Monaten.
Wenn du nach sechs Monaten merkst, dass es immer noch nicht besser ist, machst du dir natürlich Gedanken. Als Sportler willst du immer so schnell wie möglich zurückkommen und dafür tust du alles. Aber du hörst auch viel stärker in deinen Körper hinein.“
Wie lange hast Du insgesamt gefehlt?
„Im März 2025 hatte ich zunächst eine Bänderverletzung. Ich bin relativ schnell wieder zurückgekommen, musste ich auch, weil der Klassenerhalt oberste Priorität hatte. Danach war ich von Juni 2025 bis Februar 2026 aufgrund von Knochenödemen außer Gefecht. Zusätzlich hatten sich Knochennasen gebildet, die aufeinander gerieben haben. Diese wurden am Schienbein und Sprunggelenk abgefräst, der Knorpel geglättet. Das ging aber erst, nachdem sich die Ödeme ganz zurückgebildet hatten. Deshalb hat sich die ganze Geschichte so lange gezogen.“
Viele Spieler wechseln heute häufiger den Verein als das vielleicht früher der Fall war. Du bist dem TV Großwallstadt über viele Jahre treu geblieben, obwohl es sicherlich auch andere Möglichkeiten gegeben hätte. Was hat Dich immer wieder zum Bleiben bewogen?
„Ich hatte die eine oder andere Möglichkeit, die ich nicht wahrgenommen habe. Rückblickend hätte mir ein Wechsel vielleicht noch einmal einen sportlichen Push gegeben. Andererseits war für mich immer klar, dass ich die Region nicht verlassen möchte. Meine Frau und ich haben hier vor Jahren ein Haus gekauft, meine Familie wohnt hier und wir fühlen uns sehr wohl. Beim TVG hatten wir immer tolle Mannschaften und ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas Neues machen muss. Wobei wir durch die vielen Wechsel im Kader eigentlich jedes Jahr wieder eine neue Mannschaft hatten (lacht). Die Teamchemie war immer etwas Besonderes. Ich hatte einfach Spaß mit den Jungs. Gerade in Elsenfeld, wenn die Halle voll ist, macht es unglaublich Spaß zu spielen. Ich würde diesen Weg immer wieder genauso gehen.”
Und trotzdem kam irgendwann die Nachricht, dass Deine Zeit beim TV Großwallstadt endet. Wie hast Du diesen Moment erlebt?
„Es war so, dass der Verein mir zunächst signalisiert hatte, dass man gerne mit mir weiter planen würde. Gleichzeitig habe ich aber schnell gespürt, dass sich die Richtung verändert. Deshalb kam es für mich nicht unvorbereitet, sondern ich war darauf vorbereitet. Ich hatte es mir schon gedacht, trotzdem war die Art und Weise der Kommunikation nach zehn Jahren im Verein natürlich nicht die schönste. Eine frühere, offenere und ehrlichere Kommunikation wäre sicherlich besser gewesen. Trotzdem bin ich heute sehr glücklich damit, wie es gekommen ist. Ich merke einfach, dass mein Körper bei diesem Trainingspensum an seine Grenzen kommt.“
War es eher Enttäuschung und Wehmut – oder überwog irgendwann die Vorfreude auf das, was kommt?
„Es war wirklich nur die Art und Weise, wie es mir gesagt wurde, die mich enttäuscht hat. Nicht die Tatsache, dass meine Zeit beim TVG zu Ende geht. Damit hatte ich gerechnet. Ich habe mich auf die letzten Spiele mit dem TVG sehr gefreut und gleichzeitig auch auf die neue Zeit in Kirchzell. Vor dem letzten Heimspiel beim TVG hatte ich schon Respekt. Schließlich sind zehn Jahre kein Pappenstiel. Aber ich muss sagen, wie der Abschied beim TVG abgelaufen ist, war wirklich großartig. Das war toll und dafür gebührt allen beim TVG ein großes Lob.“
Es war schnell klar, dass für Dich eigentlich nur der TV Kirchzell infrage kommt, oder?
„Ja, schon. Es mussten natürlich noch einige Rahmenbedingungen geklärt werden, die für beide Seiten passen mussten. Und es gab auch Angebote aus der Region, die deutlich höher lagen als das Angebot von Kirchzell. Aber am Ende war für mich klar, dass ich diesen Weg Richtung Kirchzell gehen möchte.“
Was bedeutet es Dir, wieder für deinen Heimatverein aufzulaufen?
„Es ist ein tolles Gefühl. Ich freue mich auf die Menschen in der Halle, weil ich ja die meisten von ihnen kenne. Dass sich in Kirchzell so viele gefreut haben, dass ich zurückkomme, ist ein unglaublich schönes Gefühl und macht mir den Einstieg richtig leicht.“
Viele sehen Dich als Führungsspieler. Ist das eher Druck oder Verantwortung?
„Sicher ist damit immer ein bisschen Druck verbunden. Ein bisschen Druck ist ja auch nicht schlecht, im Gegenteil, das ist okay. Ich will Verantwortung im Team übernehmen und vorangehen.“
Worauf freust Du Dich in Kirchzell am meisten?
„Auf die Heimspiele, die geniale Stimmung in der Halle und darauf, danach vielleicht noch ein Bierchen mit den Fans zu trinken (grinst). Eigentlich freue ich mich auf das Gesamtpaket.“
Was traust Du der Mannschaft in dieser Saison zu?
„Das ist für mich etwas schwer einzuschätzen, weil ich die dritte Liga in den letzten Jahren nicht so intensiv verfolgt habe. Ich weiß aber, dass zum Beispiel mit Gelnhausen, Saarlouis, Longerich und Krefeld starke Mannschaften in unserer Staffel sind. Es wird eine sehr anspruchsvolle Saison werden. Trotzdem glaube ich, dass wir eine gute Truppe haben. Ich hoffe, dass wir gerade zu Hause den einen oder anderen Gegner ärgern und richtig nerven können.“
“Geh den Weg, den du für richtig hältst!”
Was möchtest Du persönlich in den nächsten zwei Jahren – so lange läuft Dein Vertrag erst einmal – noch erreichen?
„Für mich ist wichtig, mit Leistung voranzugehen und ein gutes Beispiel für die jüngeren Spieler zu sein. Ich möchte in jedem Spiel alles geben, so wie ich es immer gemacht habe. Genau das will ich auch in den nächsten zwei Jahren in Kirchzell tun.“
Letzte Frage: Du hast den TV Kirchzell als Jugendlicher verlassen, bist beim TV Großwallstadt erwachsen geworden und kehrst nun als erfahrener Spieler zurück. Wenn Du dem jungen Mario von damals heute einen Rat geben könntest – welcher wäre das?
„Ich würde alles wieder genauso machen. Ich war als junger Spieler sicherlich nicht der Einfachste. Das kann Gottfried Kunz wahrscheinlich bestätigen (lacht). Aber genau diese Erfahrungen waren wichtig. Wenn man seinen Weg nicht selbst erlebt, kann man daraus auch nichts lernen. Deshalb würde ich dem jungen Mario sagen: Mach es wieder genauso. Mach deine eigenen Erfahrungen und gehe den Weg, den du für richtig hältst.“
Vielen lieben Dank, Mario für das tolle Gespräch und alles Gute in Kirchzell!
Die Bilder haben uns Mario, Mario’s Mama und der TVK zur Verfügung gestellt. Danke dafür
Original Beitrag unter Handball: Vom TV Großwallstadt zurück nach Kirchzell – Mario Stark – ein etwas anderes Gespräch – Margot’s Sport-Blog


